Wertegeschichte

Lulu die verwirrte Katze

Eine sanfte Wertegeschichte ueber eine kleine Katze, die wie andere Tiere sein will und dann lernt, sich selbst zu moegen.

Lulu die Katze steht vor einem warmen Spiegel neben kleinen Tiermasken und laechelt selbstbewusst

Lulu war eine kleine graue Katze mit weichem Fell und einer weissen Spitze am Schwanz. Sie konnte leicht ueber die Gartenmauer laufen und den Fluegelschlag eines Schmetterlings bei den Blumen hoeren. Trotzdem war sie mit sich selbst nicht zufrieden.

Jeden Morgen stand sie vor dem Spiegel und seufzte:

🐱 Warum bin ich nur eine Katze? Der Vogel kann fliegen, der Fisch kann schwimmen, der Hase kann springen, und die Enten gleiten ueber das Wasser wie kleine Koeniginnen.

In der Ecke ihres Zimmers stand eine alte Kiste voller Masken und bunter Tuecher. Ihre Grossmutter hatte ihr einmal gesagt:

🐱 Diese Masken sind zum Spielen und Traeumen da, aber sie veraendern nicht dein Herz und nicht, wer du wirklich bist.

Lulu hatte nur die Haelfte davon gehoert. Sie oeffnete die Kiste und fand eine kleine Maske, die sanft golden schimmerte. Sie setzte sie auf und sah in den Spiegel.

🐱 Ich moechte etwas Neues ausprobieren. Vielleicht waere ich gluecklicher, wenn ich wie jemand anderes waere.

Der Spiegel glaenzte, als wuerde er mitspielen, und Lulus verwirrtes Abenteuer begann.

Lulu die graue Katze steht vor einem Spiegel in einem warmen Zimmer neben einer Kiste mit Tiermasken und bunten Tuechern und schaut unsicher

Ich moechte eine Ente sein

Lulu ging zum Teich und beobachtete die Enten, die ruhig schwammen. Ihre Fuesse bewegten sich unter dem Wasser, und ihre Federn glaenzten darueber.

🐱 Schwimmen sieht so leicht aus! Ich moechte eine Ente sein.

Sie setzte eine kleine Schnabelmaske auf und band zwei breite Stoffstuecke an ihre Pfoten. Dann ging sie zum Rand des Teichs.

Eine freundliche Ente rief:

🦆 Sei vorsichtig, Lulu. Spielen ist schoen, aber Wasser muss man kennenlernen.

Lulu tauchte eine Pfote in den Teich, fuehlte das kalte Wasser und sprang sofort zurueck. Die breiten Stoffpfoten machten sie nicht zu einer echten Ente und brachten ihr nicht das Schwimmen bei.

Sie schuettelte den Schwanz.

🐱 Enten sind wunderschoen, aber Wasser mag ich wohl nicht sehr.

Ich moechte ein Hase sein

Bald sah Lulu einen weissen Hasen, der zwischen den Karotten herumhuepfte. Seine Spruenge waren leicht und weit.

🐱 Das brauche ich! Wenn ich ein Hase werde, kann ich hoch springen.

Sie setzte lange Stoffohren auf und versuchte zu huepfen wie der Hase. Einmal sprang sie, stolperte ueber die Ohren und landete lachend im Gras.

Der Hase laechelte.

🐰 Meine Ohren helfen mir, weil sie meine sind. Aber deine kleinen Ohren hoeren Dinge, die ich nicht hoere.

Lulu hob ihre echten Ohren und hoerte weit weg ein trockenes Blatt rascheln. Das war eine Gabe, die sie vorher kaum bemerkt hatte.

Ich moechte etwas anderes sein

Lulu wollte es noch einmal versuchen. Sie kam an einer Schafherde vorbei und bewunderte ihre dicke Wolle.

🐱 Wie weich diese Wolle ist! Vielleicht waere ich als Schaf schoener.

Sie wickelte sich in einen grossen weissen Schal. Er war warm, machte sie aber langsam. Als sie einem Schmetterling nachlaufen wollte, blieb der Schal an einem kleinen Ast haengen.

Ein junges Schaf lachte freundlich.

🐑 Wolle passt zu uns, weil wir Schafe sind. Du bist fuer leichte Schritte gemacht, Lulu.

Lulu dachte nach. Ihre leichten Schritte halfen ihr, auf die Mauer zu klettern, auf einen Stuhl zu springen und ihr Spielzeug schnell zu fangen.

Aber einen letzten Versuch wollte sie noch machen. Im Obstgarten sah sie Aepfel und Pfirsiche in der Sonne leuchten. Sie sammelte saubere Fruchtschalen und machte daraus eine lustige Krone.

🐱 Jetzt bin ich eine bunte Frucht, die gut riecht!

Vor Muedigkeit schlief sie unter dem Baum ein. Einige junge Schafe kamen naeher und schnupperten an der fruchtigen Krone. Sie dachten, die Krone koennte ein kleiner Imbiss sein.

Lulu oeffnete die Augen, sah sie bei der Krone und sprang schnell auf die Gartenmauer.

Lulu die Katze steht in einem sonnigen Obstgarten mit Hasenohren, weissem Schal und einer lustigen Krone aus Fruchtschalen, waehrend freundliche Tiere sie neugierig ansehen

Der ehrliche Spiegel

Lulu lief nach Hause. Sie nahm die goldene Maske ab und legte die Ohren, den Schal und die Fruchtkrone zurueck in die Kiste. Dann stellte sie sich wieder vor den Spiegel.

Diesmal seufzte sie nicht.

Sie betrachtete ihre hellen Augen, ihre feinen Schnurrhaare, ihre kleinen Ohren und ihren Schwanz, der sich bewegte, wenn sie froh war.

Leise sagte sie:

🐱 Ich muss keine Ente, kein Hase, kein Schaf und keine Frucht sein. Ich bin Lulu, und das ist genug.

Der Spiegel schien zurueckzulaecheln. Ihre Grossmutter kam ins Zimmer.

🐱 Ist die Reise der Masken zu Ende?

Lulu laechelte.

🐱 Ja. Ich habe gelernt, dass eine Maske mein Aussehen kurz veraendern kann, aber sie weiss nicht, was zu meinem Herzen passt.

Grossmutter nickte.

🐱 Jedes Wesen hat eine Gabe. Der Vogel fliegt, der Fisch schwimmt, der Hase springt, das Schaf gibt Wolle, und die Katze sieht in stillen Ecken, bewegt sich leicht und hoert, was viele andere ueberhoeren.

Lulu sprang zum Fenster und bemerkte einen kleinen Schmetterling, der hinter einem Blatt festhing. Mit einer vorsichtigen Pfote befreite sie ihn, ohne ihm wehzutun.

Der Schmetterling flog davon.

🦋 Danke, Lulu. Nur eine sanfte Katzenpfote konnte mir helfen.

Lulu laechelte. Seit diesem Tag spielte sie manchmal noch mit Masken, aber nicht, weil sie sich selbst nicht mochte. Sie spielte, weil Fantasie Freude macht. Und wenn sie vor dem Spiegel stand, sagte sie:

🐱 Guten Morgen, Lulu. Heute sind wir eine glueckliche Katze.

Was lernen wir?

  • Wenn wir uns staendig vergleichen, vergessen wir leicht unsere eigenen Gaben.
  • Spielen und Traeumen sind schoen, aber wir muessen uns deshalb nicht ablehnen.
  • Jedes Wesen hat eine Staerke, die zu ihm passt.
  • Wer sich selbst annimmt, sieht leichter, was er mit Freude tun kann.

Gespräch nach dem Lesen

  1. Warum ist Lulu traurig, wenn sie in den Spiegel schaut?
  2. Was passiert, als Lulu eine Ente sein moechte?
  3. Was ist besonders an Lulus echten Ohren?
  4. Warum fuehlt Lulu sich besser, nachdem sie die Masken ablegt?
  5. Welche kleine Gabe magst du an dir?
Zurück zu den Geschichten