Wertegeschichte

Der Koenig und das grosszuegige Dorf

Eine Wertegeschichte ueber ein freundliches Dorf und einen geizigen Mann, der lernt, warum Hilfsbereitschaft wichtig ist.

Ein reisender Koenig kommt in ein grosszuegiges Dorf, waehrend ein geiziger Mann an seiner geschlossenen Tuer steht

In einem kleinen Dorf zwischen sanften Huegeln kannten sich die Menschen beim Namen. Wenn jemand krank war, brachte ein Nachbar Suppe. Wenn ein Reisender durstig ankam, stand schon Wasser bereit, bevor er darum bat.

Am Rand des Dorfes lebte ein reicher Mann, der staendig Angst hatte, jemand koennte ihn um etwas bitten. Seine Muenzen lagen in einer schweren Truhe, und er sass daneben, als koennte Freundlichkeit den Schatz verschwinden lassen.

Die Dorfbewohner halfen ihm trotzdem, wenn er Hilfe brauchte. Er aber murmelte oft:

👴 Warum soll ich teilen? Alles ist sicherer, wenn es bei mir bleibt.

Die Tuer, die sich wegdrehte

Eines Morgens kaufte der Mann eine Ziege, die viel Milch gab. Statt sich zu freuen, machte er sich Sorgen, ein Nachbar koennte um einen Becher Milch bitten.

Da tat er etwas Seltsames. Er schloss die Tuer zur Dorfstrasse und baute eine neue Tuer an die Rueckseite seines Hauses, zu einem leeren, staubigen Weg.

Die Kinder lachten, als sie sahen, dass das Haus dem Dorf den Ruecken zukehrte. Die Dorfbewohner blieben trotzdem freundlich. Manchmal schickten sie ihm Brot oder Obst und sagten:

👩 Freundlichkeit macht das Gute nicht kleiner. Sie laesst es weiterwandern.

Der Mann aber schloss seine Tuer schnell, sobald er Schritte hoerte.

Ein geiziger Mann steht an der Hintertuer seines kleinen Hauses, waehrend die grosszuegigen Dorfbewohner weit hinten auf dem Weg zu sehen sind

Ein mueder Reisender

An einem sehr heissen Tag kam ein mueder Reiter ueber den staubigen Weg hinter dem Haus. Sein Gesicht war voller Staub, und sein Pferd ging langsam vor Durst.

Der Reiter blieb an der Tuer stehen und sagte freundlich:

👑 Friede sei mit dir. Hast du ein wenig Wasser fuer mich und mein Pferd?

Der Mann oeffnete die Tuer nur einen Spalt und zeigte zum Dorf.

👴 Ich habe kein Wasser, kein Essen und nicht einmal Stroh. Frag jemand anderen.

Der Reiter stritt nicht. Er bedankte sich hoeflich und fuehrte sein Pferd ins Dorf.

Beim ersten Haus lief eine Familie sofort hinaus. Sie gaben ihm Wasser, wuschen den Staub von seinen Haenden, brachten warmes Essen und stellten sein Pferd in den Schatten. Niemand fragte, wer er war oder warum er kam. Der Bauer sagte nur:

👨‍🌾 Ein Gast soll sich zuerst ausruhen. Fragen koennen warten.

Der Reiter schlief eine Weile. Dann bedankte er sich, fragte nach dem Weg zur Stadt und ritt mit einem dankbaren Blick davon.

Der Koenig kommt zurueck

Einige Tage spaeter hoerten die Dorfbewohner viele Pferde naeherkommen. Sie traten an den Weg und sahen denselben Reiter wieder. Diesmal trug er eine schlichte Krone, und Waechter folgten ihm mit Koerben voller Essen, Kleidung und Geschenke.

Der Bauer staunte.

👨‍🌾 Du bist der Koenig?

Der Koenig laechelte.

👑 Ja. Ich kam muede in euer Dorf, und ihr habt mir Ruhe und Wuerde geschenkt. Heute komme ich, um euch zu danken.

Der Koenig teilte die Geschenke mit dem ganzen Dorf. Der Platz fuellte sich mit Freude, und alle halfen, die Koerbe so zu ordnen, dass jede Familie bekam, was sie brauchte.

Der Koenig kehrt mit Waechtern und Geschenkkoerben ins Dorf zurueck, waehrend die Dorfbewohner froehlich zusammenkommen

Was der Mann verlor

Der geizige Mann stand weit entfernt und sah zu. Er erinnerte sich daran, dass er der Erste gewesen war, der den mueden Koenig gesehen hatte, und dass er seine Tuer geschlossen hatte.

Leise sagte er:

👴 Wenn ich ihm nur einen Becher Wasser gegeben haette, haette ich an diesem Guten teilgehabt.

Der Koenig hoerte ihn und kam naeher.

👑 Gutes beginnt nicht immer mit grossen Geschenken. Manchmal beginnt es mit einem Becher Wasser, einem freundlichen Wort oder einer offenen Tuer.

Der Mann senkte den Kopf.

👴 Ich werde meine Tuer wieder zum Dorf oeffnen. Heute beginne ich damit, die Milch meiner Ziege mit den Kindern zu teilen.

Die Dorfbewohner laechelten und halfen ihm, die alte Tuer wieder zu oeffnen. Er wurde nicht an einem einzigen Tag grosszuegig, aber er begann, und ein ehrlicher Anfang ist schon ein Geschenk.

Was lernen wir?

  • Hilfe braucht nicht immer viel Geld.
  • Grosszuegigkeit bringt Menschen zusammen, Geiz macht einsam.
  • Eine Gelegenheit zum Guten kann wie ein durstiger Reisender aussehen.
  • Wer einen Fehler macht, kann neu anfangen.

Gespräch nach dem Lesen

  1. Warum drehte der Mann seine Tuer vom Dorf weg?
  2. Wie behandelten die Dorfbewohner den mueden Reisenden?
  3. Was erfuhren alle, als der Reiter zurueckkam?
  4. Womit wollte der Mann seine Veraenderung beginnen?
  5. Welche kleine gute Tat koenntest du heute tun?
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