Abu al-Ghusayn war ein fröhlicher Mann. Er lebte mit seinem Vater und seinem kleinen Bruder Sami in der Jasmingasse. Die Nachbarn mochten ihn, weil er gern half und herzlich lachte. Nur eine seltsame Gewohnheit machte ihm Schwierigkeiten: Der erste Gedanke in seinem Kopf wurde für ihn oft sofort zur einzig möglichen Erklärung.
An einem windigen Morgen befestigte er sein weißes Hemd mit nur einer Klammer an der Wäscheleine auf der Dachterrasse. Kaum hatte er sich umgedreht, hob der Wind das Hemd an und ließ es in den Wäschekorb im Hof fallen.
Abu al-Ghusayn schaute über die sichere Terrassenmauer und rief:
Was für einem gewaltigen Sturz bin ich entkommen!
Sein Nachbar Salim kam die Treppe herauf.
Welchem Sturz? Ich sehe nur ein Hemd in einem Korb.
Abu al-Ghusayn hielt das Hemd hoch.
Wenn ich es getragen hätte, wäre ich mit ihm von der Leine gefallen!
Salim betrachtete die Leine, die einzelne Klammer und seinen Freund.
Du wirst normalerweise nicht an einer Wäscheleine aufgehängt. Das Hemd fiel, weil eine Klammer nicht genügte. Bevor du dich sorgst, frage: Was ist wirklich passiert?
Abu al-Ghusayn prüfte das unbeschädigte Hemd und lachte.
Wirklich passiert ist, dass mein Hemd vor mir im Korb ankam. Nächstes Mal nehme ich zwei Klammern.

Der Kuchen mit dem Fenster
Am Nachmittag gab ihm sein Vater einige Münzen.
Bring uns bitte einen runden Dattelkuchen, den wir nach dem Essen teilen können.
Abu al-Ghusayn kam mit einem warmen Sesamkuchen aus der Bäckerei. Er duftete herrlich. "Ich sollte ein winziges bisschen von der Füllung probieren", dachte er. "Nur um zu prüfen, ob sie gut ist."
Aus einem Bissen wurden zwei. Als er zu Hause ankam, war die weiche Mitte vollständig verschwunden.
Er legte den äußeren Ring vor seinen Vater.
Die Bäckerei backt heute offenbar Kuchen mit großen Fenstern.
Sein Vater sah die Dattelkrümel in Abu al-Ghusayns Schnurrbart.
War dieses Fenster schon beim Kauf darin?
Fast hätte Abu al-Ghusayn eine neue Antwort erfunden. Dann erinnerte er sich an Salims Frage: Was ist wirklich passiert?
Ich habe die Füllung gegessen. Den ersten Bissen nannte ich eine Probe, aber dann hörte ich nicht auf. Es tut mir leid.
Sein Vater nickte.
Eine lustige Ausrede kann uns zum Lächeln bringen, aber sie repariert keinen Kuchen. Ehrlichkeit ist der erste Schritt. Den Fehler wiedergutzumachen ist der zweite.
Abu al-Ghusayn kaufte von seinen eigenen Münzen einen neuen Kuchen. Diesmal trug er ihn in einer geschlossenen Schachtel und wartete, bis alle am Tisch saßen. Das ehrlich geteilte Stück schmeckte besser als alle heimlichen Bissen unterwegs.
Finger sind keine Kornkammern
Auf dem Markt bat ein Getreidehändler Abu al-Ghusayn um Hilfe.
Ich habe zwei Säcke Gerste und zwei Säcke Weizen. Wie viele Säcke sind es zusammen?
Abu al-Ghusayn knickte zwei Finger für die Gerste und zwei für den Weizen ein. Den Mittelfinger ließ er zwischen den Gruppen stehen.
Warum zählst du diesen Finger nicht mit? fragte der Händler.
Damit sich der Weizen nicht mit der Gerste vermischt.
Salim kaufte gerade Mehl. Er stellte zwei kleine Schalen auf den Tisch und legte in jede zwei Kieselsteine.
Das Getreide bleibt getrennt, weil es in verschiedenen Säcken steckt. Zahlen bleiben klar, wenn wir sie ordnen. Zwei plus zwei ergibt vier.
Abu al-Ghusayn zählte die Steine und danach die Säcke.
Vier! Finger sind nützlich, aber als Kornkammern taugen sie wenig.
Von nun an verwendete er Kieselsteine oder ein anderes klares System und prüfte jedes Ergebnis zweimal.
Die Beschreibung, die Sami findet
Am Abend besuchten Abu al-Ghusayn, Sami und Salim den Büchermarkt im Viertel. Vorher vereinbarten sie eine Sicherheitsregel: zusammenbleiben und bei einer Trennung an der blauen Fontäne auf einen vertrauten Erwachsenen warten.
Abu al-Ghusayn half einem Händler, Bilderbücher zu zählen. Als er aufsah, stand Sami nicht mehr neben ihm.
Er rief:
Hat jemand einen Jungen gesehen, dessen Vater eine zimtfarbene Mütze trägt?
Salim antwortete ruhig:
Du beschreibst seinen Vater, nicht Sami. Was wissen wir über Sami selbst?
Diesmal dachte Abu al-Ghusayn nach, bevor er sprach.
Er ist sieben, hat kurze schwarze Locken, trägt ein blaues Hemd und eine gelbe Weste und hält ein gelbes Bilderbuch. Zuletzt sah ich ihn am Bücherstand.
Sie gingen direkt zur blauen Fontäne. Dort wartete Sami mit seinem Buch, genau wie vereinbart.

Ein Bild hat mich abgelenkt, erklärte Sami. Danach konnte ich euch nicht sehen, also ging ich zu unserem Treffpunkt.
Abu al-Ghusayn kniete sich vor ihn.
Du hast unsere Regel genau befolgt. Ich habe gelernt, dass eine hilfreiche Beschreibung von der gesuchten Person handelt und nicht von der Mütze ihres Vaters.
Gemeinsam gingen sie nach Hause. Unterwegs zählte Abu al-Ghusayn seine Entdeckungen auf:
Ein Hemd zieht seinen Besitzer nicht von der Leine. Kuchen kommen nicht hohl zur Welt. Finger trennen Weizen nicht von Gerste. Und die Mütze eines Vaters beschreibt nicht seinen Sohn.
Salim lächelte.
Gibt es eine Regel, die bei allem hilft?
Abu al-Ghusayn hob drei Finger.
Anhalten, beobachten und die Wahrheit sagen.
Er blieb so fröhlich wie zuvor, fügte aber vor jeder großen Erklärung einen kleinen Moment des Nachdenkens ein. Diese Pause ersparte ihm viele Ausreden und half ihm, Probleme klarer und freundlicher zu lösen.
Was lernen wir?
- Die erste Erklärung in unserem Kopf ist nicht immer richtig.
- Die Wahrheit ist besser als eine schlaue Ausrede.
- Geordnete Informationen erleichtern Rechnen und Problemlösen.
- Eine hilfreiche Beschreibung nennt Merkmale der gemeinten Person oder Sache.
- Ein bekannter Treffpunkt hilft Kindern, sich bei einer Trennung sicher zu verhalten.
Gespräch nach dem Lesen
- Warum fiel Abu al-Ghusayns Hemd von der Leine?
- Was tat er, als sein Vater nach der Kuchenfüllung fragte?
- Wie machten Schalen und Kieselsteine das Zählen leichter?
- Was war an Abu al-Ghusayns erster Beschreibung von Sami falsch?
- Warum war es gut, an der Fontäne zu warten?
- Probiere Abu al-Ghusayns Regel: Halte an, beobachte und sage, was wirklich passiert ist.